Emotionale Männer und ein Pflanzenwunder

Welwitschia mirabilis / bainesii

Welwitsch, Baines, Livingstone und die Entdeckung des „Archaeopteryx der Pflanzen“

„… die macht ja nicht viel her“ oder „und die soll sowas besonderes sein?“ Bekommt man als Reiseleiter oft zu hören. In der Tat haben auch namhafte Botaniker aus Kew dieses botanische Wunderwerk schon als „ugliest plant of the world“ beschrieben, jedoch hier Vorsicht! Wir haben es mit einer botanischen Herrlichkeit zu tun – der Welwitschia mirabilis!

Warum mirabilis? Sie ist ein Wunder!

So wie der Archaeopteryx ein Lebewesen zwischen Reptil und Vogel war (und damit übrigens die Theorie von Charles Darwin über Übergangslebewesen bestätigte), ist die Welwitschia das „missing botanical link“ zwischen Nackt- und Bedecktsamern! Als Zapfenträger hat sie Eigenschaften von Nacktsamern, aber auch Eigenschaften der botanisch-modernen Bedecktsamer, das macht sie extrem speziell! Und außerdem kann sie mit einem unglaublichen Rekord aufwarten…

Koniferen sind Bäume – und Nacktsamer. Sie halten mehrere Rekorde: Zu ihnen gehört
– der höchste Küsten-Mammutbaum der Erde (Sequoia sempervirens),
– der dickste Riesen-Mammutbaum (Sequoiadendron giganteum),
– der Baum mit der größten Krone (die Mexikanische Sumpfzypresse Taxodium mucronatum) und
– die langlebigste Kiefer (Pinus longaeva).

Welwitschien sind Zwergbäume, tief geduckt auf der Erde kauernd, mit nur zwei Blättern, die immer weiter wachsen. Und das tun sie über 3000 Jahre lang! Sie ist also die Pflanze mit den ältesten lebenden Blättern der Erde!

Der Botaniker Friedrich M. J. Welwitsch, der sie entdeckte, sah ihre Herrlichkeit sofort. „Denn ich bin überzeugt, das Schönste und Herrlichste gesehen zu haben, was die Tropenländer Südafrikas darbieten können“, schrieb er am 3.September 1859 an den englischen Botaniker Hooker. Der benannte die Pflanze nach ihm, obwohl Welwitsch den bereits existierenden angolanischen Namen „Tumboa“ vorschlug. Und so kennen wir sie heute als Welwitschia mirabilis.

Nun wissen viele unserer Gäste, warum wir nur zähneknirschend lächeln können wenn man die Welwitschia als wenig spektakulär beschreibt

Was hat David Livingstone mit Thomas Baines zu tun?

David Livingstone war nicht der erste Weiße in diesem scheinbar unentdeckten Afrika. Das störte ihn gewaltig, da nur spektakuläre Entdeckungen für weitere Finanzen und Reisen sorgen würden!
Der Sklavenhandel war viel zu lukrativ als dass die Portugiesen und Araber nicht längst die Wege ins Innere Afrikas genutzt hätten. Livingstone tat die Portugiesen als Mischlinge ungewisser Abstammung ab, denn er allein wollte als erster Weißer das dunkle Afrika für Missionare und Händler öffnen und den Zambezi dem Britischen Handelsverkehr zugänglich machen. Den dort lebenden Völkern die Zivilisation bringen, dabei den Zambezi als Highway nutzen und selbst als Entdecker gefeiert werden – das war der Plan.
Und er wäre auch gelungen, wenn… ja wenn da nicht die verdammten Kebrabrassa Stromschnellen gewesen wären, der ewig flache Wasserlauf, die Malaria-durchtränkten Mücken und natürlich dieser ewige Zweifel innerhalb seiner stets wechselnden Mannschaft… und die vielen toten Missionare, die letztendlich er selbst in verseuchte Gebiete gelockt hatte.

Nun kommen wir zu Thomas Baines. Er war mit Livingstone unterwegs und sollte die Erschliessung des Zambezi malen, zeichnen und den Ruhm auf Leinwand bringen. Das Talent dafür hatte er als Kriegsmaler bereits bewiesen. Durch den ständigen Planwechsel und dem fast unmöglichen „Weiterkommen“ des Flachboots Ma-Robert auf dem launischen Zambezi, sollte Baines mit Charles Livingstone, dem Bruder des David Livingstone, das Vorratslager bei Tete hüten und verwalten.
Anscheinend verteilte Baines großzügig die Vorräte und nutzte sie auch selbst. Charles Livingstone berichtete seinem Bruder, Baines würde stehlen und auf Kosten der Gesellschaft mit den Portugiesen „skylarken“ (ein alt-englischer Ausdruck für das Herumalbern oder Unfug machen) indem er sie malte und ein unnötig gutes Verhältnis zu ihnen pflegte. Hier müssen Neid und Arroganz eine Rolle gespielt haben.
David Livingstone glaubte jedenfalls den Anschuldigungen seines Bruders und entließ Thomas Baines ohne Verhör.

Thomas Baines hat dann drei Jahre später, immer noch gekränkt, eine Expedition von Walvis Bay durch das zentrale Namibia und Botswana bis an die Victoria Wasserfälle unternommen, um „seinen Namen zu säubern“, zusammen mit James Chapman. Leider war Livingstone schon weiter gezogen und Baines kam nie zu seinem Recht.*

Und jetzt finden unsere Themen langsam zusammen. Denn just auf dieser Expedition malte Thomas Baines wiederholt die Welwitschia (1861) und sandte einige Exemplare nach England.

kennt man die kleinen Umwege in der Nähe der Kleinsiedlung Haigamkab im Swakoptal, könnte man sich an just dieser Welwitschia freuen.

Doch was hatten nun Welwitsch und Livingstone miteinander zu tun?

Der ehrgeizige und extrem arbeitsame Österreicher Friedrich Welwitsch war als Botaniker sehr erfolgreich und landete bereits promoviert in Portugal. Innerhalb weniger Jahre soll es in Portugal keine Pflanzenart gegeben haben, von der ein Standortbeleg durch Welwitsch fehlte. So wurde er in die portugiesischen Kolonien gesandt und sollte in Angola / Luanda zusammen mit David Livingstone den afrikanischen Kontinent durchqueren.

Doch Livingstone verweigerte ihm die Teilnahme und zog ohne Welwitsch an den Zambezi. Livingstone wollte als Alleinentdecker gelten, da würde ein weiterer „Weisser“ nur störend wirken.

Welwitsch brauchte Livingstone jedoch nicht und ging allein und wohl oft zu Fuß auf „Pflanzensuche“: „Wenn ich alle Kreuz- und Quer-Züge, welche ich in Congo, Angola, Benguela und auf den Inseln des Benin-Golf aneinander füge, dürfte es sich leicht herausstellen, dass nur sehr wenig Reisende so weit zu Fuß gegangen sind wie ich“, so schrieb Friedrich M. J. Welwitsch am 8.März 1866 an seinen Studiengenossen und Direktor des Botanischen Gartens in Wien, Fenzl.

In Kürze zusammengefasst:

Hätte Livingstone Welwitsch mitgenommen und Baines nicht hinausgeworfen,
hätte keiner von beiden diese Pflanze entdeckt und sie würde heute sicher immer noch „Tumboa“
oder gar unromantisch „Wüstenkartoffel“ oder gebräuchlicher im
afrikaansen „Woestynkanniedood“ heissen.

(Der Name „Welwitschia mirabilis“ sollte übrigens später in „Welwitschia bainesii“ geändert werden, da Baines einen erheblichen Beitrag zur Entdeckung, Beschreibung und natürlich malerischen Darstellung der Welwitschia beitrug. Allerdings konnte sich der neue Name nicht durchsetzen und noch heute wird, wohl fälschlicherweise, die Welwitschia mit dem Artnamen mirabilis bezeichnet.)

Wie Livingstones Berichte halfen, den Sklavenhandel zu beenden

Livingstone war in der Tat charakterlich fragwürdig. Doch seine Schilderungen der arabischen Sklaventreiberei, bei der Mord, Vergewaltigung und Folter an der Tagesordnung war, haben letztendlich die britische Regierung zu raschem Handeln gegen den Sklavenhandel bewegt.
Sir Bartle Frere, der Gouverneur Bombays, zwang den Sultan Sansibars unter Androhung einer britischen Schiffsblockade, den bekannten „Frere’s Treaty“ zu unterschreiben. Damit wurde der Sklavenhandel am 5.Juni 1873 letztendlich beendet!

Frage des Tages: War John Edward Gray je in Namibia?

Ist das nicht eine interessante Pflanze? Um sie zu besuchen, reisen Sie als Besucher in geologisch wunderschöne Gebiete und werden mit weiteren beeindruckenden Beobachtungen verwöhnt. Dabei kann es sein, dass ein sehr helles Rufen Ihre Aufmerksamkeit auf eine oder mehrere unscheinbare Lerchen zieht, die dem hellen Wüstenboden perfekt angepasst sind. Es handelt sich um die Namiblerche (Ammomanopsis grayi), im Englischen auch Gray’s Lark genannt. Wohl nach dem englischen Zoologen John Edward Gray benannt, der diese Lerche entdeckt haben soll … ich finde jedoch nirgendwo einen Beweis dafür, dass sich dieser Engländer in unserer Namibwüste aufgehalten hat. Ausserdem hätte er dann wohl die Welwitschia entdeckt. Kann uns da jemand weiterhelfen?

wenn Sie sich für anspruchsvolle Vogelbeobachtungen interessieren und diese Namiblerche / Gray’s Lark sehen wollen,
würden wir Sie gern auf einer unserer Spezialreisen willkommen heissen.

ganz besonders schön…

sieht man die Welwitschia auf der „Etosha Kaoko Damara“ Safari

* *
Übrigens führte die missglückte Zambezi-Expedition zu Livingstones Ehrgeiz den Ursprung des Nils zu finden, denn auch hier musste eine Ehre wieder hergestellt werden, nämlich seine eigene!
Auf dieser Expedition fand Livingstone den Tod.
…an dieser Stelle muss unbedingt auf die heroische Tat der Träger und Diener Livingstones, Dusi und Chuma, welche schon 8 Jahre mit ihm durch Afrika zogen, eingegangen werden.
Als Livingstone am 30 April starb, entnahmen sie seine Innereien, balsamierten sein Gesicht mit Branntwein und wickelten den Körper eng und wasserdicht zu einem tragbaren Bündel. Sie trugen ihn süd-östlich des Bangweulusee bis nach Unyanyembe in 5 Monaten. In dieser Zeit starben weitere 10 Mann aus der Expedition an Malaria, blutigem Durchfall und wahrscheinlich Mangelernährung. Sie erreichten Bagamoyo im Februar 1874, wo der Körper dann übernommen wurde und in England begraben wurde.
Der Kapitän des Schiffes war sich der heroischen Tat der 60 afrikanischen Männer wohl bewusst, war sich aber nicht sicher wie und ob er sie belohnen sollte. Er zahlte ihnen also lediglich ihren Sold und schickte sie davon… erbärmlich!
Susi und Chuma wurden später Karavanenführer in Zanzibar und wurden zwischenzeitlich nach England eingeladen die Biografie Livingstones mündlich zu vervollständigen, aber man munkelte in höheren Kreisen: “Wenn Livingstone wüsste, dass seine Diener niemals weder Dankeschön noch Belohnung von der englischen Regierung bekommen haben, er überhaupt nicht überrascht wäre … es wäre lediglich die letzte sehr vieler Enttäuschungen“.

warum diese Welwitschia weiblich ist erfahren Sie dann auf Safari…

lieber Gruß, albert

2 Kommentare zu “Emotionale Männer und ein Pflanzenwunder

  1. Offizieller Erstbeschreiber der Namiblerche (https://www.jungledragon.com/image/125847/grays_lark_137_dsc8606-kl.html) ist Johan August Wahlberg 1855 https://www.biodiversitylibrary.org/item/54201#page/227/mode/1up
    https://www.zobodat.at/pdf/Journal-fuer-Ornithologie_88_SH_1940_0001-0404.pdf

    alle Quellen sind sich einig.

    grayi / grayii
    ● John Edward Gray (1800-1875) English ornithologist (Ammomanopsis, Ardeola, Chrysuronia, Zosterops).
    https://birdsoftheworld.org/bow/species/gralar2/cur/introduction

    Catalogue of African birds in the collection of R.B. Sharpe.
    https://www.biodiversitylibrary.org/item/34489#page/138/mode/1up

    https://ia601409.us.archive.org/4/items/notesonbirdsofda00ande/notesonbirdsofda00ande.pdf

    Allerdings wird nirgends erwähnt, warum diese Ehrung erfolgt ist, auch wird beim Geehrten die Alauda nicht aufgeführt, warum auch immer.
    Also bleibt das unklar

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