Tipps zum Umgang mit Kamera- und Fernglas-Optiken auf Safari (und auch sonst!)

Illustration Camera Cleaning Guy, von Richard Voigts

Es ist Sonntag… Zeit zum putzen…

Wer kennt das nicht: Sehr bald ist während des Namibiaurlaubs das Fernglas staubig, das Objektiv hat Flecken und dann kommt er, der Moment, vor dem sich jede Optik fürchtet: Das Brillentuch – oder gar noch schlimmer, das Tempo Taschentuch!! – wird aus der Tasche gezogen!
Draufgehaucht und abgepustet und drübergewischt… „immer schön den Staub als Schleifpapier nutzen“ ist mein Standardspruch, und die ersten Beschichtungen mit kleinen, wenn auch nicht sichtbaren, Kratzern versehen.

Ich erlebe es auf jeder Safari!
Und es tut mir weh. Denn ich Ich höre ihn noch wie gestern, den Vertreter der Firma Swarowski. Er schilderte mir bildhaft wie perfekt und vielschichtig die Gläser gearbeitet werden um dieses wunderschön glasklare Bild, die intensiven Farben direkt, auf unsere Netzhaut zu bringen. Dieser Mann sprach von den Okularen wie von filigranen Porzellantassen, die man sehr, sehr vorsichtig benutzt.

Wer auch noch nach Jahren eine brillante Optik besitzen möchte, sollte diese paar Tipps beachten:

  • erstmal schmutzig lassen und in Ruhe säubern. Noch besser, vorsorglich säubern!
  • Ferngläser und Stative mit Wasser abspülen, sogar Seife nutzen, Spüli funzt super!
  • Brillenputztücher oder Microfasertücher erst NACH dem Abspülen nutzen
  • Bei Kameraoptik immer schön pusten oder blasen und weniger pinseln, danach erst vorsichtig mit feuchtem Tuch wischen, dann erst das Microfasertuch bitte.
  • Wir alle tun es, das Glas ablecken… es ist keine Schande. Lieber den Dreck auf der Zunge als am Glas, so fanatisch kann man werden… Finger beim Essen ablecken ist schlimmer 🙂

Ferngläser und wie man sie nutzen sollte

Wer ohne Brille schaut, hat oftmals (eher meistens) unterschiedliche Sehstärken. Je nach Glas kann man das Einstellrad der Dioptrinstärke lockern und adjustieren.
Erstmal rechtes Auge schliessen und mit der zentralen Schärfeeinstellung ein gewisses Objekt scharf einstellen. Danach wird das linke Auge geschlossen und mit dem kleinen Rad für die Dioptrineinstellung wird auf das gleiche Objekt fokussiert bzw. scharf gestellt.
Nun kann das Rädchen für die Dioptrininstellung „gelockt“ werden.

Brillenträger sind hoffentlich gleich eingestellt und brauchen diese Einstellung nicht. Da Brillenträger die Augenmuscheln des Fernglases auf Anschlag hineindrehen, kann es passieren, dass sich die Gläser berühren. Gute Gläser haben jedoch die Möglichkeit die Muschel nur ganz wenig auszudrehen um das zu vermeiden.

10% mehr Leistung kosten doppelt so viel, lohnt es sich?

Ein recht gutes Glas kann und darf bis zu 1000 Euro kosten, alles schön und gut. Man möge argumentieren, dass sehr teure Gläser gar nicht nötig sind.
In der Tat zahlt man für sehr gute Gläser, die ca. 10% mehr Leistung bringen, dann gut doppelt bis dreimal so viel und muss ein paar tausend Euro locker machen.
Es ist eindeutig so, dass unsere Kunden mit besseren Gläsern wesentlich mehr Freude am Beobachten haben und ihnen auch der Frust, die kleinen Besonderheiten nicht erkennen zu können, erspart bleibt!

Ich vergleiche den Kauf eines Fernglases immer mit dem Kauf einer Matratze. Wer gut schläft, ist einfach „besser“ wach. Da ein gutes Fernglas Freude macht und die Beobachtung freundlicher ins Gehirn bringt, lohnt sich das Investment allemal!

kurzer Clip über letzte Safari im Juli 2022

Kleine Vorwarnung:

Die Dünen Namibias bestehen aus sehr kleinen Quartzkügelchen, welche übrigens mit einer Eisenoxidschicht umgeben sind, daher auch die rot-orange Farbe der älteren Dünenlandschaften. Es findet sich auch Ilmenit, Granat, Magnetit und die beiden Glimmerarten, Muskovit und Biotit, im Dünensand. Der Glimmer, wer ihn mit starkem Wind kennen gelernt hat, verwünscht ihn. An windigen Tagen setzen sich die kleinen Staubplättchen nur zu gern auf ausgefahrene Objektive dieser kleinen Alleskönner-Kameras. Schaltet man den kleinen Allrounder aus, fährt das Rohr / Optik zurück, es knirscht kurz und der Staub verkeilt die Elektronik… Die Kamera wirkt leblos. Besorgt wird die speziell für diesen Urlaub angeschaffte Kamera ein paar Stunden später kaputt in den Koffer gepackt. Es wäre also praktisch gute Zip-Tüten zu nutzen, in denen man die kleinen Kameras schützen kann.

Einen schönen Sonntag noch und für einige von Euch… bis bald in Namibia

Albert

Ein Gedanke zu “Tipps zum Umgang mit Kamera- und Fernglas-Optiken auf Safari (und auch sonst!)

  1. Immer wieder vielen, vielen Dank für die wunderbaren Filme und Bilder und so kundigen Texte. Es macht Lust auf so viel mehr und irgendwann klappt es auch wieder.

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